Kalender 2019

Am 8. November 1918 verkündete Kurt Eisner nach der Ausrufung des Freistaats Bayern das allgemeine und freie Wahlrecht. Das feiern wir jetzt vor allem als Errungenschaft für die Frauen, die lange darum gekämpft haben.
In dem neuen Kalender wird dieser Kampf geschildert, außerdem finden Sie eine Kurzdarstellung der Ereignisse während der revolutionären Monate in München. Auf 12 Blättern lernen Sie die Frauen kennen, denen wir das Wahlrecht zu verdanken haben bzw. diejenigen, die als erste davon profitierten.

Der Kalender kostet 15 € und kann per Mail bestellt werden. Der Versand kostet leider nochmal 7 €, deshalb kann auch ein Abholtermin ausgemacht werden.
Außerdem wird er bei diversen revolutionären Veranstaltungen in den nächsten Wochen angeboten und liegt auch schon in der Kulturschmiede Sendling aus.

 

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Immer noch ein Geheimnis

Im April habe ich Maria Anna Lindmayr vorgestellt: Sie wurde 1697 im Tal geboren als Tochter eines herzoglichen Kammerdieners und starb 1727 als Karmelitin und Mystikerin.
Ihre Bedeutung für München ist wenig bekannt, doch von Gewicht – aber das kann man im Kalender nachlesen. Oder sich anlässlich einer Führung im Sommer erzählen lassen.

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Ich möchte hier erzählen, wie ich ihre Geschichte gefunden habe: Es war am Anfang meiner Recherchen. Ich kam vor der Gedenkplatte für die Grafen von Forbach mit einer Frau ins Gespräch. Sie erzählte, dass in diesem Grab eine Person mehr läge, als auf der Platte steht. Das sei nirgends verzeichnet, aber sie sei sich ganz sicher. Man müsste nur die Gruft öffnen und bei der unbekannten Leiche einen Gentest machen, denn sie wisse genau, wer das ist: eine Nonne. Das Gespräch dauerte eine ganze Weile, und zum Schluss offenbarte mir die Dame den Namen der Nonne: Anna Maria Lindmayr.
Ich bin neugierig geworden und habe recherchiert. Dabei habe ich in einem Buch die Erzählung eines Paters gelesen, dem etwa 1956 auf dem Südfriedhof genau dasselbe wie mir passiert ist. Ihm erschien eine Frau, die sagte: Nicht wahr, Pater, Sie suchen nach der Lindmayr? Er war verblüfft. In der Gruft ist eine Leiche zuviel, sagte die Frau. Er durfte damals die Gruft besichtigen und fand tatsächlich einen Sarg mit einer einbalsamierten weiblichen Leiche, aber ohne Namen.
Zweimal ein ähnliches Erlebnis, nur liegen 60 Jahre dazwischen!

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Das Geheimnis um das Grab ist bis heute ungeklärt.

Ein Leben für die Jugend

Isabella Braun (1815-1886) steht schon lange auf meiner Liste der „Vergessenen Münchnerinnen“, und doch habe ich ihren 200. Geburtstag um knapp drei Monate verpasst. In drei Monaten jährt sich ihr Todestag zum 130. Mal – die Mitte zwischen den beiden Terminen ist auch ein schöner Anlass.

Eine glückliche Kindheit hatte die „braune Bill“ in Schloss Jettingen, die sie anschaulich in den Erzählungen „Aus meiner Jugendzeit“ schilderte. Doch plötzlich war alles anders: Halbwaise, Schülerin bei den Englischen Fräulein in Augsburg, dann in Ausbildung zur Lehrerin. Zehn Jahre lang unterrichtete Isabella Braun in Neuburg / Donau an einer Volksschule für Mädchen, mehrere Jahre als Privatlehrerin in Augsburg. Als Jugendbuchautorin gab sie ab 1856 die „Jugendblätter für christliche Unterhaltung und Belehrung“ heraus und übte sich in München 30 Jahre lang im Überleben mit dem Minimum. Die Zusammenarbeit mit bekannten Autoren und Prinzessinnen brachte Ehre und Ruhm, aber wenig Geld.

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Die Jettinger haben „ihre“ Isabella nicht vergessen. Auch die Neuburgerinnen ehren Isabella Braun seit 20 Jahren im Dezember mit einer kleinen Lichterfeier vor dem Denkmal im Park, und der ehemalige Kulturamtsleiter und seine Töchter haben ihre „Weihnachtsgeschichten“ neu herausgegeben. Die Münchner haben immerhin ihr Grab im Südfriedhof. Und ein Blatt im Kalender 2017 ist für sie reserviert.

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